Piloten warnen vor Krebsgefahr im Ferienflieger

Die Welt-Online am 13. Juli 2013

Deutschlands Piloten warnen vor der Ozonbelastung in der Atemluft in Flugzeugen – weil wichtige Filter fehlen. Das kann katastrophale Folgen für die Gesundheit von Mannschaft und Passagieren haben.

von Per Hinrichs und Tim van Beveren

Pilotenvertreter warnen vor der Ozonbelastung in der Atemluft in Flugzeugen. In nahezu allen großen Fluggesellschaften sind offenbar ganze Flotten nicht mit so genannten „Ozon-Konvertern“ ausgerüstet, die das potenziell gefährliche Gas aus der oberen Atmosphäre in Sauerstoff umwandeln. Das geht aus einer internen Mitteilung der „Pilotenvereinigung Cockpit“ (VC) hervor, die der „Welt“ und NDR Info vorliegt.

Dabei sicherten die Airlines bereits vor fünf Jahren zu, dass alle Flugzeuge kurzfristig mit den Geräten nachgerüstet werden und neu bestellte Maschinen eigentlich alle mit Konvertern bereits ab Werk ausgestattet sein sollten. Dies sei aber nicht der Fall.

„Teilweise komplette Flotten“ besäßen „keine Ozon-Konverter“, heißt es in dem Schreiben der „Arbeitsgruppe Flugmedizin“ vom 21. Juni 2013, das an alle Cockpit-Personalvertretungen deutscher Luftfahrtunternehmen ging.

Die Airlines können dem entweder mit dem Einbau der Ozon-Konverter begegnen, oder sie umfliegen die Ozon-Gebiete, für die eine tägliche Voraussagekarte erstellt wird. Die Piloten-Vertreter der VC betonen, dass es sich bei der Vermeidung von Ozon an Bord „nicht um verhandelbare Nice-to-have Forderungen“ handele, sondern um „gesetzliche Anforderungen aus dem Arbeits- und Gesundheitsschutz“.

Ozon ist unter Medizinern bekannt für sein eindeutig „gentoxisches Potential“, es kann das Erbmaterial angreifen und verändern. Das Reizgas wirkt beim Menschen auf die Atemwege und die Schleimhäute. Kleinkinder, Babies und Senioren sind besonders gefährdet. Schon bei kleinsten Mengen Ozon können Menschen, die an Atemwegserkrankungen wie beispielsweise Asthma leiden, die Schleimhäute reizen und Lungenfunktion beinträchtigen.

Akut kann es zu Kopfschmerzen, Übelkeit, Müdigkeit, Benommenheit, Schwindelgefühlen und Konzentrationsschwächen kommen. Auch besteht der begründete Verdacht, dass Ozon Krebs erregend ist. Daher gibt es in Deutschland auch keinen Grenzwert mehr für das Gas – jeglicher Kontakt gilt als gefährlich.

Insbesondere Cockpit- und Kabinenbesatzungen sorgen sich also um ihre Gesundheit. Aber die Passagiere atmen die gleiche Luft, gerade Vielflieger können überdurchschnittlich häufig mit Ozon in Kontakt kommen.

Ozon-Belastung ließe sich ohne Probleme senken

Experten äußern sich besorgt über die Tatenlosigkeit der Airlines. Der Präsident des Bundesumweltamtes, Jochen Flasbarth, zeigt wenig Verständnis für die Zurückhaltung der Gesellschaften.

„Die Belastung der Kabinenluft lässt sich mittlerweile unproblematisch unter die Grenzwerte senken. Entsprechende Ozonkonverter sind technisch ausgereift und bei neuen Maschinen ohnehin serienmäßig eingebaut“, sagte Flasbarth Welt Online und NDR Info.

VC-Sprecher Jörg Handwerg wirft den Fluggesellschaften vor, Geld sparen zu wollen. „Ozon-Konverter werden nicht eingebaut, weil – wie man hört – es eben nicht verbindlich vorgeschrieben ist.

Und trotz der Bekenntnisse, alles für die Sicherheit und Gesundheit der Passagiere und Besatzungen zu tun: wenn es dann ans Zahlen geht, dann entscheidet man doch wieder anders“, sagte er.

Konverter sind im Luftraum der USA bereits Pflicht

Der Verkehrsexperte der Grünen im Bundestag, Markus Tressel, fordert gesetzliche Regelungen zum Einbau der Konverter. Andernfalls bliebe „nur der Schluss, dass der Bundesregierung der kurzfristige wirtschaftliche Erfolg der Airlines wichtiger ist als die Gesundheit der Passagiere und des fliegenden Personals.“

Die Konverter sind in praktisch alle Langstreckenflugzeuge eingebaut, da der Einflug in den Luftraum der USA ohne die Ozon-Umwandler gar nicht gestattet ist. Das Problem betrifft somit große Teile der bundesdeutschen Kurz- und Mittelstreckenflotte der Typen Boeing 737, der Airbus A320-Familie.

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