Die Entwicklung der Concorde, ein Rückblick

Im Ausklang der 50er Jahre beschlossen damals die englische Firma Bristol Aircraft und die französische Sud-Aviation ein Überschallflugzeug für einen elitären Passagierbetrieb zu entwickeln. 1960 wurde aus Bristol Aircraft die heutige British Aerospace und von 1970 an floss die ehemalige Sud-Aviation in die Firma Aerospatiale ein. Am 29. November 1962 schlossen die Briten mit ihren französischen Partnern einen entsprechenden Kooperationsvertrag.

Auch das neue Triebwerk für die Concorde wurde in Kooperation beider Länder hergestellt. Rolls-Royce und die französische Societe Nationale d’Etude et de Construction de Moteurs d’aviation (SNECMA) entwickelten und bauten das Olympus 593 Mk 610 Düsentriebwerk mit einer Schubleistung von 17 Tonnen. Vier dieser Triebwerke sollten fortan das Überschallflugzeug auf doppelte Schallgeschwindigkeit, also Mach 2, beschleunigen. concorde3angle

Pate bei der Konstruktion des «Eintrachts-Projekts» standen wie immer militärische Flugzeugvarianten. Beide Staaten hatten hier bereits eine Reihe von Jagd- und Kampfflugzeugen mit Überschallgeschwindigkeitskapazität gebaut. Der vereinte Forschungs- und Wissensstand der beiden staatlich kontrolliert und subventionierten Flugzeugfabrikanten konnte im Rahmen des Konsortiums uneingeschränkt genutzt werden.

Aber die Konstrukteure, die sich 1963 an die Arbeit machten, hatten eine Vielzahl technologischer und physikalischer Problemstellungen zu überwinden: zum Beispiel die im Überschallflug auftretende Reibungshitze. Es war abzusehen, dass die existierenden und im normalen Flugzeugbau verwendeten Materialien teilweise ungeeignet waren oder aber im Betrieb den Grenzen ihrer Belastbarkeit ausgesetzt sein würden. Durch die kinetische Erwärmung der Luft an der Außenhaut des Flugzeuges ist die Spitze einer Concorde im Reiseflug einer Hitzeentwicklung von bis zu 150 Grad Celsius ausgesetzt. Die Vorderkanten der Deltaflügel erwärmen sich auf immerhin 130 Grad und die restlichen Teile können auch noch bis zu 125 Grad warm werden. Durch die Verwendung spezieller Legierungen und der Wahl von Titan als Baustoff ließ sich dieses Problem schließlich überwinden. Diese Materialwahl erlaubte es der Concorde Geschwindigkeiten von Mach 2.2 oder 2.333 Km/h zu erreichen. Die überall im Rumpf und den Flächen verteilten Tanks sorgten dabei für die notwendige Kühlung. Schneller konnte die Concorde jedoch nicht werden, oder man hätte mehr dieser Materialien verwenden müssen.

Solche Überlegungen wurden aber angesichts der exorbitanten Kosten für den dann eher bescheidenen Geschwindigkeitszuwachs von 0.8 Mach fallengelassen und die Höchstgeschwindigkeit schließlich auf Mach 2.2 begrenzt. Das Ergebnis der Überlegungen französischer und britischer Konstrukteure war schließlich ein Delta-förmiges Flugzeug für 124 – 144 Passagiere, je nach Enge der Bestuhlung, dass mit Hilfe von militärischer „Nachbrenner-Technologie“ auf die Geschwindigkeit einer Gewehrkugel beschleunigt werden konnte.

Im Februar 1965 begannen die Arbeiten an den zwei parallel entwickelten Prototypen im französischen Toulouse und im britischen Bristol. Der erste französische Prototyp mit der Nummer 001 flog am 2. März 1969, der erste britische Testflug ihres Prototyps erfolgte einen Monat später, am 9. April 1969. Zwei Jahre nach dem Jungfernflug begann eine aufwendige Promotionstour der beiden Prototypen, mit dem vornehmlichen Ziel die Auftragsbücher des Herstellerkonsortiums zu füllen.

In der Tat zeichneten Gesellschaften wie American Airlines, die damals noch existierende BOAC, Eastern Airlines, JAL, PanAm, Lufthansa, Quantas, Sabena, TWA und United zunächst bereitwillig Optionen für dieses Flugzeug. Aber die erwartete Nachfrage auf Seiten der Fluggesellschaften erwies sich als katastrophale Fehlkalkulation. Die Concorde wurde während der Produktion immer teurer und schließlich blieben die beiden Regierungen von Großbritannien und Frankreich auf ihrem überteuren Prestigeprojekt sitzen. So wurden dann insgesamt auch nur 13 dieser Sprit schluckenden Konstruktion gebaut.