Das ultimative “Aus” für die Concorde

Das endgültige Aus für die Concorde jedenfalls kam erst im Frühjahr 2003. Air France und British Airways hatten endlich erkannt und eingesehen, dass der Betrieb des inzwischen erheblich überalterten und einem hohen Betriebsrisiko unterliegenden Flugzeugtyp keinesfalls profitabel ist. Air France stellte seine Concorde Flüge aus Kostengründen Ende Mai und British Airways Ende September 2003 ein. Der Luftfahrt Philanthrop und Virgin Airways Boss George Branson bekundete zwar sein Interesse zumindest eine Concorde aus der British Airways Flotte zu übernehmen und zukünftig für spezielle VIP Flüge zu nutzen. Doch Branson war besser beraten diesen Plan aufzugeben. Dieses Flugzeug gehört nicht mehr in die Luft, sondern allenfalls in ein Museum. Da steht es zumindest erheblich sicherer.

Noch ein Jahr zuvor, im Sommer 2002, lockten die französischen und britischen Betreiber mit „Concorde-Specials“ von nur noch $ 3.600 für das One-Way-Ticket. Auch einige Reiseveranstalter beschwerten sich bitterlich, als die Flugeinstellungs-Ankündigung kam, weil sie angeblich genügend zahlende Kunden für Sonderflüge hätten. Aber die Concorde wollte sich einfach nicht mehr auf ihren täglichen Flügen füllen lassen und die Unterhaltungskosten lagen eh schon zuvor weit jenseits der Rentabilitätsgrenze. Auch eilig in Auftrag gegebene Umfragen unter den Celebrities des internationalen Jetsets änderten dies nicht, denn entweder äußerten sich internationale Topmodels nach dem Absturz vorsichtiger, bzw. machten keinen Hehl aus ihren gemischten Gefühlen zu der Concorde oder die Hurraschreie anderer VIP’s wurden von der öffentlichen Meinung schnell als dümmliches Geschwätz entlarvt. So äußerte sich Top Modell Heidi Klum gegenüber der Welt am Sonntag: „Ich würde aber wieder mit der Concorde fliegen. Gerade jetzt kann man doch davon ausgehen, dass die Ingenieure Sicherheit und Technik besonders geprüft haben.“ An gleicher Stelle gab der ehemalige Formel 1 Weltmeister, Airlinegründer und Linienpilot Nikki Lauda zum Besten: „Selbstverständlich werde ich wieder mit der Concorde fliegen; überhaupt kein Problem. Die Concorde ist jetzt wahrscheinlich das sicherste Flugzeug der Welt. Denn Flugzeuge, die einmal vom Himmel gefallen sind, werden dermaßen genau geprüft, dass sie dann komplett sicher sind.“

Dagegen waren andere Vielflieger, wie der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Opel AG, Carl-Peter Forster wesentlich nachdenklicher und traf dabei den Nagel auf den Kopf: „Ich wäre immer noch etwas skeptisch. Denn ich bin mir nicht sicher, ob die getroffenen Maßnahmen ausreichen, die konstruktiven Schwachstellen der Concorde zu beseitigen.“ Forster sollte recht behalten. Denn nach der Wiederaufnahme der Concorde Flüge hagelte es förmlich eine Serie von Zwischenfällen. So verzeichnete beispielsweise die British Airways in der Zeit vom 15. März bis zum 3. November 2002 allein 5 Triebwerksprobleme mit ihren Concordes. Nur 3 Tage nach dem letzten Vorfall musste auch eine Air France Concorde wegen eines ausgefallenen Triebwerkes ihre Reiseflughöhe von 56.000 Fuß verlassen und auch auf einem Flug von Paris nach New York versagte am 19. Februar 2003 das Triebwerk Nummer Drei.

Gravierender Probleme zeichneten sich ebenfalls bereits im November 2002 ab: am 27. November verlor eine britische Concorde auf dem Flug von London nach New York ein Teil ihres Seitenruders. Das Gleiche wiederholte sich am 27. Februar 2003, diesmal wieder bei einer französischen Concorde auch mitten auf dem Flug nach New York. Die Piloten bemerkten dies jedoch erst nach der Landung in den USA. Die Concordes waren eindeutig in die Jahre gekommen und zeigten immer deutliche Spuren von Verschleiß. Doch für British Airways und Air France gab kaum noch Hoffnung den Betrieb fortzusetzen oder einen modernen Nachfolger in Dienst zu stellen. Die Concorde sollte nach ihrer Wiederzulassung nach dem Unfall von Gonesse zunächst noch bis in das Jahr 2009 fliegen.

Ende des Jahres 2002 dann, ließ der amerikanische Flugzeughersteller Boeing überraschend sein Projekt eines modernen Nachfolgers für die Concorde von einem auf den anderen Tag schlagartig fallen. Nach internen Information war für Boeing zu diesem Zeitpunkt bereits abzusehen, dass sich solch ein reiner Prestigeflieger zu einem herben Verlustgeschäft entwickeln würde. Stattdessen wurde der US Konzern seit langer Zeit innovativ und vertiefte seine Studien an einem völlig neuen zivilen Flugzeugtyp auf der Basis eines Nurflügler-Designs.

Eines ist klar: mit dem Absturz der Concorde in Paris wurde der Mythos des zivilen Überschall-Fliegers gebrochen. Das Konzept von höherer Geschwindigkeit im Gegensatz zu größerer Sicherheit ist nicht aufgegangen. Der tragische Unfall von Paris läutete eigentlich erst viel zu Spät das Ende eines mittlerweile überalterten und im Betrieb mit einem extrem hohen Risiko belasteten Flugzeugtyps ein. Doch braucht es das wirklich? Es bestehen doch zahlreiche andere Möglichkeiten des Geschwindigkeitsrausches: vermehrt nutzen reiche Manager und erfolgreiche Geschäftsleute die Möglichkeit sich mit einem zivilen Kampfjet zu eiligen Terminen fliegen zu lassen oder als ultimative Steigerung mittels einem russischen Raumschiff die internationale Weltraumstation im Orbit zu besuchen, – selbstverständlich auf eigenes Risiko unter Ausschluss jeglicher Gewährleistungen.