GWI 4U9525

GERMANWINGS 4 U 9525 – UPDATE

photo.fdr.1 photo.fdr.3Im Gegensatz zu MH 17 (17.7.2014), wo wir immer noch keine gesicherten Informationen über den Inhalt des FDR und CVR haben, geschweige denn, wer hier für den Absturz (-schuss) verantwortlich ist, geht es nun sehr schnell. Zum Glück, denn das ist absolut erforderlich, gerade angesichts der ausufernden Diskussion und der vorschnellen Schlüsse, die aus dem Absturz von Germanwings Flug 4 U 9525 bereits allerorts gezogen werden, und der teilweise hier aufgestellten Forderungen.

Nach einer heute Morgen veröffentlichten Information der Flugsicherheits-Untersuchung durch die französische Flugunfall-Untersuchungsbehörde BEA wurde durch den Copiloten über den Autopiloten ein Sinkflug eingeleitet. Danach wurde auch noch einmal die Geschwindigkeit verändert. Dies ginge aus den ersten Analysen der Daten aus dem Flugdatenschreiber hervor.

Das zu diesem Zeitpunkt unabhängig hiervon geführte Ermittlungsverfahren der französischen und der deutschen Justiz hat neue Hinweise ergeben, die den Verdacht weiter erhärten, dass der Copilot die Maschine absichtlich zum Absturz bringen wollte. In einer gestern durch die Staatsanwaltschaft Düsseldorf veröffentlichten Pressemitteilung ist die Rede davon, dass sich auf einem Tablet-Computer, der dem Copiloten zugeordnet wurde, Hinweise fanden, dass sich dieser im Zeitraum 16.3. – 23.3.2015 über mehrere Minuten mit Suchbegriffen über „Cockpittüren“ und deren „Sicherheitsvorkehrungen“ auseinander gesetzt haben soll. Auch habe sich der „Nutzer zum Einen mit medizinischen Behandlungsmethoden befasst, zum Anderen über Arten und Umsetzungsmöglichkeiten einer Selbsttötung informiert“, so die Staatsanwaltschaft Düsseldorf. Auffällig ist auch in dieser Kommunikation der Staatsanwaltschaft, wie schon zuvor, dass diese einzig Informationen zur gezielten Erhärtung ihres Ermittlungsansatzes publiziert hat. Nach eigener Aussage verweist die Staatsanwaltschaft darauf, dass „deren Bewertung der Auswertung und Würdigung aller Beweismittel vorbehalten bleiben muss.“ D.h. in Juristen-Deutsch: sie sind noch längst nicht mit der Arbeit fertig, es ist noch nicht alles bewiesen und damit eindeutig klar.

Sollte es sich bewahrheiten, dass dieser Absturz die Tat eines geistig verwirrten bzw. kranken Piloten gewesen ist, dann ist für mich zumindest eine Sache jetzt schon klar: eine Wiederholung eines solchen oder ähnlichen Szenarios wird sich bei allem nun ausgebrochenen Aktionismus nicht verhindern lassen. – Auch nicht in öffentlichen Bussen, in PKW’s auf der Autobahn, in ICE’s oder U-Bahnen…

Wer immer auch in einem Cockpit auf einem der Pilotensitze Platz nimmt, hat alle Möglichkeiten einen Absturz herbei zu führen, wenn er das will. Trotzdem wirft dieser Fall derzeit immer noch mehr Fragen auf, als es dafür zum jetzigen Zeitpunkt bereits Antworten und Erklärungen gibt.

Völlig zurecht fordern m.E.n. einige in Diskussionsforen auch weiterhin Antworten auf andere Aspekte und Details dieser Katastrophe. Ausserdem müsste dringend untersucht werden, auf welche Art und Weise welche Informationen wann und wie für wen verfügbar waren und dann teilweise wieder dementiert wurden.

 

Berlin 3.4.2015, 12:00 UTC

Tim van Beveren

 

GERMANWINGS  4 U 9525 

Bildschirmfoto 2015-03-28 um 16.42.49

Deutschland und die Welt sind erschüttert über das, was sich am Vormittag des 24.03.2015 über den französischen Alpen abgespielt hat. Verständlich ist daher auch das große Interesse der Öffentlichkeit zu erfahren, warum der Germanwings Flug 4U9525 auf dem Flug von Barcelona nach Düsseldorf nicht an seinem Bestimmungsort gelangt ist.

Unverständlich ist für mich allerdings in welcher Art und Weise sich geradezu eine „mediale Hexenjagd“ auf die Person des Copiloten des Unglücksfluges kapriziert. Dies alles begann keine 48 Stunden nachdem der Airbus A320 in der Nähe von Seyne-les-Alpes zerschellt ist und 150 Menschen den Tod fanden.

Ursächlich dafür sind die Angaben des französischen Staatsanwalts Brice Robin in seiner Pressekonferenz am 26.03.2015, knapp 48 Stunden nach dem Absturzzeitpunkt, über dessen genaue Uhrzeit es sogar bis heute noch unterschiedliche Angaben gibt.

Meines Erachtens nach zurecht protestieren Pilotenvertreter weltweit über diese, in der Geschichte der zivilen Luftfahrt bisher einmalige Vorgehensweise im Zusammenhang mit der Aufklärung der Umstände, die zum Absturz des Germanwings – Fluges 4U9525 geführt haben.

Als nur noch peinlich und den journalistischen Berufsstand beschämend empfinde ich Behauptungen auch durchaus geschätzter Kollegen und deren schamlose Mördershow mit parapsychologischen Ferndiagnosen oder aber konstanten 180 Grad Slaloms in ihren eigenen Wordings.

Im Eifer des Gefechts wurde sogar von einigen Medien Fotos einer völlig anderen Person als der des 27jährigen Copiloten mit reißerischen Schlagzeilen versehen verbreitet. – Keine Glanzstunde für einen sauberen und sachgerechten Journalismus, mit keiner Entschuldigung zu rechtfertigen und auch nicht wirklich belastbare Antworten auf die Frage: Was führte zum Absturz von Flug 4U9525?

Die intensive Beschäftigung über mehr als 25 Jahre mit Flugsicherheit und Flugunfalluntersuchung hat mich gelehrt, dass jede Hypothese zuvor durch belegbare und vor allem auch nachvollziehbare Fakten erhärtet werden muss, bevor sie überhaupt ein Gewicht erhält. Auch habe ich gelernt, dass es in den meisten Flugunfällen und Katastrophen nicht nur eine einzige Ursache gibt, die zu einem Absturz führt.

Gleiches trifft auch für die juristische Dimension in diesem Fall zu, sollte es sich bewahrheiten, dass der Copilot vorsätzlich oder aufgrund einer psychischen Störung zu einem Massenmörder wurde. In unserer zivilisierten westlichen Welt darf kein Medium einen Verdächtigen zu einem Straftäter oder Psychopaten abstempeln, bevor nicht sein Schuld oder seine Krankheit wasserdicht diagnostiziert wurde bzw. ein Gericht ihn verurteilt hat. Doch diese Aufgabe wurde hier offenbar bereits in die Hände der Medien delegiert und nur vereinzelt hört und liest man von Stimmen die zur Raison ermahnen.

Für mich jedenfalls gibt es noch sehr viele Fragen, die derzeit noch gar nicht beantwortet werden können. Jeder neue Behauptung, die sich vornehmlich auf Quellen außerhalb der eigentlichen Unfalluntersuchung stützt, wirft dabei für mich nur noch weitere Fragen auf. Das wird wohl auch noch länger so bleiben, weil die eigentliche Untersuchung noch ganz am Anfang steht und die Bergungskräfte heute, am vierten Tag nach der Tragödie, immer noch damit beschäftigt sind ein über eine Fläche von vier Hektar verteiltes und grausames Puzzle einzusammeln, bevor sich aus diesem und allen anderen Informationen überhaupt erst ein belastbares Bild ergibt. Erst wenn diese Ergebnisse und die damit verbundenen Hintergründe vorliegen, wird es Antworten geben.

Berlin, 28.03.2015 – 09:00 Uhr UTC

 

Tim van Beveren

– Journalist –